Woche 19

FrauenStärken

Heute ist der Internationale Weltfrauentag 2021. Was hat das mit der Mission to Moni zu tun, abgesehen davon, dass ich eine Frau bin? Ziemlich vieles. Dass ich überhaupt auf diese Mission gehen kann, ist eine Errungenschaften des Feminismus. Und ich will schon lange etwas zu #WOL #FrauenStärken schreiben – welcher Tag wäre dazu besser geeignet als der heutige?


Meine Feminismus-Geschichte

Ich bin ein Glückskind. Warum? Weil ich mit einer starken Mutter aufgewachsen bin und einem Umfeld, das mich immer darin bekräftigt hat, dass ich werden kann, was ich will. Bundeskanzlerin, Lehrerin, Architektin, Landwirtin – das sind nur ein paar der Berufswünsche, die ich im Lauf meines Lebens irgendwann hatte. Und nie habe ich gehört: “Das kannst du nicht werden.” In meiner Familie war es nie ein Thema, dass bestimmte Ziele für mich als Frau nicht erreichbar sind.

Was nicht bedeutet, dass ich nicht mit Geschlechts-Stereotypen aufgewachsen bin: Ich durfte nicht im Verein Fußball spielen, weil Mädchen das nicht machen. Und wenn ich meine Möbel aufgebaut habe, wurde ich auch mal kopfschüttelnd gefragt, warum mein Mann das nicht tut. Abgesehen davon wurde ich in furchtbare Kleider gesteckt, als ich klein war – aber das habe ich dir verziehen, Mama 😉

Ergo dachte ich lange Zeit, dass es Feminismus nicht mehr braucht und Gleichberechtigung schon gelebte Realität ist. Dass die alten Rollenmuster überkommen sind und es nur noch eine kurze Frage der Zeit ist, bis auch in Führungsetagen Frauen gleich repräsentiert sind.


Und dann wurde ich 30.

Um mich herum fingen die Menschen an, Kinder zu bekommen. Das ist was Wunderbares! Weniger wunderbar ist, was mit einigen Frauen in meinem Umfeld dadurch passiert ist: Völlig selbstverständlich verabschiedeten sie sich von einem eigenständigen Leben. Vergaßen sich selbst darüber. Und kamen nicht mal auf die Idee, dass da was nicht stimmen könnte.

Don’t get me wrong: Wenn eine Frau für sich entscheidet, dass sie gerne Vollzeit-Mutter sein möchte, finde ich das genauso bewundernswert wie eine Frau, die ein Unternehmen leitet oder ein Heilmittel gegen Krebs findet. Aber wenn Eltern sich die Erziehungsarbeit nicht gleichmäßig aufteilen, “weil Frauen das ja besser können”, kommt mir kurz die Kotze hoch. Es geht mir um die Motivation dahinter: Habe ich mich bewusst für etwas entschieden? Oder tue ich es, weil es doch selbstverständlich ist?

Ich habe es mir lange leicht gemacht und gedacht: “Die sind doch selbst schuld. Warum lassen sie sich auch in diese Rolle drängen?” Dabei habe ich aber außer Acht gelassen, dass nicht jede:r mit den gleichen guten Voraussetzungen aufgewachsen ist wie ich. Dass nicht jede:r den gleichen Charakter hat wie ich. Und dass nicht jede:r so viel Unterstützung dabei erhalten hat, so zu werden, wie er:sie möchte.


#WOL #FrauenStärken – oder: 3.300 Gründe zu jubeln

Darum geht es aus meiner Sicht bei #WOL #FrauenStärken: Wir helfen einander gegenseitig, die beste Version unseres eigenen Ichs zu werden. Und ja, wir legen den Fokus auf Frauen. Ich könnte mit Begriffen wie Gender-Pay-Gap oder Gender Care Gap um mich schmeißen, um das zu begründen. Ich kann aber auch ganz wertfrei feststellen, dass unser gesellschaftliches Bild es manchen leichter macht als anderen, sich selbst zu verwirklichen. Und ich möchte dabei helfen, das zu verändern.

Seit Januar darf ich dank der hervorragenden Katharina Krentz (die übrigens pünktlich zum Weltfrauentag heute zu einer der 40 inspirierendsten Frauen über 40 in Deutschland ernannt wurde) Teil des Orga-Teams von #WOL #FrauenStärken sein – und dabei jeden Tag erleben, welche Energie frei wird, wenn Frauen und Männer sich gegenseitig unterstützen anstatt sich zu bekriegen. Für diese Erfahrung und für alles, was ich in den vergangenen Monaten dadurch schon lernen durfte, bin ich dankbar. Jeden Tag aufs Neue.


Frauen stärken heißt nicht Männer schwächen

Ich bin davon überzeugt, dass Frauen zu stärken nicht bedeutet, Männer zu schwächen oder Diverse auszugrenzen. Es heißt, jede:n so sein zu lassen, wie sie sein wollen, solange sie damit niemandem schaden. Menschen nicht in Schubladen zu stecken, die ihnen nicht passen. Nicht alle Männer sind misogyne Arschlöcher, nicht alle Frauen sind Heilige oder arme Opfer. Jeder Mensch ist ein Einzelstück.


Was wirklich nervt

Ich war und bin glücklich, in der heutigen Zeit zu leben. Als geschiedene, gebildete und aufmüpfige Frau hätte ich in vielen anderen Zeiten auf dem Scheiterhaufen gebrannt, bevor ich geschlechtsreif geworden wäre. Das heißt aber nicht, dass es nicht immer noch viel zu tun gibt.

Ja, das Thema nervt. Es nervt aber nicht nur Männer, die befürchten, sie würden wegen einer Frauenquote die guten Jobs nicht bekommen. Es nervt vor allem auch Frauen, die sich in Bewerbungsgesprächen immer noch fragen lassen müssen, wie es denn mit ihrer Familienplanung aussieht. Oder die nicht für Führungspositionen vorgeschlagen werden, weil sie zu “emotional” sind. Es nervt, dass wir 2021 immer noch darüber diskutieren müssen. Aber es wird nicht besser dadurch, dass wir es nicht tun.